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Das Hexenmärchen

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Nun aber brach die neue Woche an, und Esmeralda bereitete schon alles für ihren Racheplan vor. Kurz nach Opalis´ 18. Geburtstag sollte ihre Rache an ihr vollführt werden. Sie besorgte sich bei alten Apothekern, die viele Pflanzen noch kannten, fragwürdige Pflanzen. Zwar beunruhigte Opalis es, das Esmeralda die ganze Zeit so ruhig war und wie wild nur in ihren alten Hexenbüchern las, aber Opalis tröstete sich aber mit dem Gedanken, daß sie diese Woche nun 18 werde, und dann sowieso das machen werde können, was sie wollte. Und sie wollte als erstes sich mit Xaver verloben. Kein Umstand, so glaubte sie, ja nicht einmal Esmeralda, konnte der Liebe zwischen ihr und Xaver zum Verhängnis werden. Und noch stolzer war sie darauf, das sie die Liebe von Xaver nicht durch Zauberei, sondern einzig durch ihr eigenes Herz erreicht hatte.

Gegen Mitte der Woche, als Opalis wieder einmal gerade länger weg war, um bei Xaver so lange wie möglich ihr Herz mit der Nähe zu ihm zu erfüllen, bereitete Esmeralda gar unheimliches vor: Sie hatte den Kamm, den Xaver gemacht hatte am Vortag von der Tischlerei abgeholt und hatte alle Zutaten für ihren Zauber zubereitet. Dunkel war es an diesem Tag in ihrem Haus. Ihre Kessel und Kannen waren alle zu gleicher Zeit gebraucht. Am Schluß vermischte Esmeralda vorsichtig alle Brühen und Kräuteressenzen, und tauchte den Kamm dann in das Gemisch und sprach im Namen des Teufels: "Dieser Kamm, er sei verflucht, und bringe jeden, der zu kämmen sucht, die Plage: zutiefst häßlich zu werden, um die Gunst dadurch, bei jedem zu verderben." Mit diesem Spruche den Kamm behaftet, der da jeden in pure Häßlichkeit verwandelt, verpackte sie den Kamm als Geschenk und versteckte ihn unter ihrem Bett. Opalis kam kurz danach nach Hause, jedoch hatte Esmeralda zu der Zeit schon alle Sachen ihres Hexenwerkes verschwinden lassen, so daß Opalis nur das übliche Hexenzeug vorfand. Opalis hatte wieder einen wunderschönen Tag gehabt. Morgen würde ihr Geburtstag schon werden, und da hatte sie sich zu einer Bootsfahrt am See mit Xaver verabredet. Sie wußte, daß Xaver ihr morgen sicher das schönste Geschenk machen würde, das sie je bekommen hatte - auch wenn sie noch gar nicht wußte, was es werden würde. Sie war so in Freude, daß sie sogar das alles der Hexe Esmeralda verriet. Esmeralda tat so als würde sie sich für Opalis freuen und sagte: "Du kannst mir glauben, morgen ist für mich ein größerer Tag als für dich, denn da darf ich endlich wieder mein Leben leben, denn den Schwur den hielt ich ein." Opalis gab der Esmeralda einen Kuß und bedankte sich, das Esmeralda all die Jahre für sie gesorgt hatte - auch wenn sie im Gegenzug schwer arbeiten mußte. Sie bereute diese Jahre nicht. Esmeralda hatte Opalis auch nie das Hexen anreden wollen - vor allem deshalb nicht, weil sie fürchtete das Opalis mal eine mächtigere Hexe werden könnte. Opalis, die nie wieder seit dem Tod ihrer Mutter hexen wollte, war das mehr als recht. Sie hätte mittlerweile nicht einmal mehr auf einem Besen fliegen können. In dem Augenblick, als Opalis Esmeralda küßte, hätte Esmeralda fast von ihrem Racheplan abgesagt. Einen Augenblick lang dachte Esmeralda, daß sie diese Jahre, die ihr Saphira durch den Schwur gestohlen hatte, einfach vergessen könnte und nun sich auf ihr neues Leben freuen könnte. Aber dann viel wieder ihre Tochter Rubina ein. Sie dachte daran, wie schön es doch wäre, wenn Rubina sie jetzt küssen würde. Und da bereute sie ihren Plan der Rache nicht. Opalis sollte durch den Kamm häßlich werden, so daß nie wieder ein Junge ohne Furcht auf Opalis blicke. Erst dann glaubte Esmeralda Ruhe in ihrem schwarzen Herzen finden zu können. Und dieses Herz war schon so dunkel, das selbst Esmeraldas Rabe sie schon verlassen wollte. Aber Esmeralda bemerkte das, und band den Raben an ihrer Schulter fest, wobei sie um ihre Achseln den Knoten band.

 

  
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